Hannelore Kraft – zur Person

Gespeichert von Martin Götz am 24. November 2014

Hannelore Kraft

„Ich bin immer die geblieben, die ich war“

Wenn mehrere Politiker sich um die Kandidatur für ein Landtagsmandat bewerben, dann halten üblicherweise alle eine Rede, die stark auf die Zuhörer zugeschnitten ist. Die Redner wissen, was sie zu sagen haben und sagen es. In der Politik ist das üblich, in allen Parteien. Eine ganz unübliche Rede begann so: „Stellt euch vor, ich stehe am Mülheimer Hauptbahnhof am Automaten und möchte eine Fahrkarte nach Düsseldorf kaufen. Welche Tasten kann ich da drücken?“ Ratlosigkeit breitete sich unter den Anwesenden aus, doch als die Rednerin anhand von Schülerfahrkarte, Familienticket und Seniorenpass erklärte, dass sie für alle Generationen und gesellschaftlichen Gruppen eintreten wolle, wich die Ratlosigkeit. Die Rednerin überzeugte und wurde die Kandidatin des Wahlkreises 74 Mülheim an der Ruhr II/Essen VII für die Landtagswahl in Nordrhein Westfalen im Jahr 2000.

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Zehn Jahre später ist Hannelore Kraft Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, erste Bundesratspräsidentin in der Geschichte der Republik, Politikerin des Jahres 2010 – und immer noch Mülheimerin. Von der Seite in die Politik eingestiegen, aber aus der Mitte des Ruhrgebiets kommend. Man hört es manchmal an ruhrgebietstypischen Wörtern. „Sie würden merken, wenn ich Ihnen Kappes erzähle.“ Man hört es manchmal am Dialekt: „Dat is Wolkenkuckucksheim.“ Man hört es, wenn sie mit Menschen spricht und über Menschen spricht.

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft auf der #JUKON12
 

Der Tag, an dem eine Frau in tiefer Trauer Hannelore Kraft umarmt, ist der Tag, an dem die Ministerpräsidentin eine Rede zu halten hat, die kein Politiker je halten will. Eine Rede über junge Menschen, die feiern wollten und jäh aus dem Leben gerissen wurden. Hannelore Kraft, seit wenigen Wochen im Amt, versucht während der Trauerfeier für die 21 Opfer der Loveparade in Duisburg nicht, als Politikerin die richtigen Worte zu finden. Sie spricht als ein von der Katastrophe erschütterter Mensch, als Mutter eines Sohnes, der auf der Loveparade war, als Landesmutter, die Angehörigen der Opfer lange zugehört hat. Die Frau, die Hannelore Kraft umarmt, hat ihre Tochter auf der Loveparade verloren. Fast scheint es, als wolle die Mutter die Ministerpräsidentin trösten.

Das ist der Eindruck, über den Menschen später reden werden, der Eindruck, eine mit ihren Gefühlen ringende Politikerin gesehen zu haben. Dürfen aber Politiker so viel Gefühl zeigen? Wer Hannelore Kraft ein bisschen kennt, der weiß, dass sie sich Fragen wie diese nicht stellt. In einer Zeit, in der viele Politiker allzu sehr auf ihre mediale Darstellung bedacht sind, vertraut die Sozialdemokratin auf ihre bodenständige Herkunft.

„Ich bin die geblieben, die ich immer war“, entgegnet sie einem Journalisten, der wissen möchte, wie das Amt sie verändert habe. Ihren politischen Weg, so schnell und steil er auch nach oben verlaufen ist, betrachtet sie nicht als Aufstieg. Was Hannelore Kraft erreicht hat, versteht sie als Chance. Zu gestalten. Politik zu erklären. Menschen mitzunehmen und um Zustimmung unter Bürgern, aber  auch in anderen Parteien zu werben. „Wir müssen Politik erden“, ist ein Satz, den sie für sich zum Prinzip erhoben hat.

Wer frühzeitig in gute Bildung investiert, in mehr Kinder- und Ganztagsbetreuung, in passgenaue Hilfen für Alleinerziehende und Familien und in eine vorsorgende Sozialpolitik, der sorgt am besten für die Zukunft vor.

Hannelore Kraft

Familie Külzhammer lebt bescheiden. Der Vater arbeitet sich vom Straßenbahnfahrer zum Verkehrsmeister hoch. Die Mutter, gelernte Verkäuferin, wird Schaffnerin. Viel Bildung können die Külzhammers ihren zwei Töchtern nicht bieten, aber Liebe und Zuwendung. Hannelore Külzhammer, Jahrgang 1961, macht Abitur, als eines der ersten Kinder in der großen Ruhrgebietsfamilie mit mehr als 30 Cousins und Cousinen. Sie absolviert eine Banklehre und stellt fest, dass die interessanten Jobs nur durch ein Studium zu erreichen sind. Also studiert sie Wirtschaftswissenschaften und lernt, weil sie ihr Studium als Aushilfssekretärin finanziert, viele große und kleinere Unternehmen von innen kennen. Diese Einblicke in die Arbeitswelt prägen sie für den Beruf und die Politik.

 

Hannelore Kraft, inzwischen verheiratet mit Udo Kraft und Mutter von Jan, arbeitet als Unternehmensberaterin vorwiegend für Mittelständler, denen das europäische Regelwerk kaum vertraut ist. 1994 tritt sie in die SPD ein, die gerade eine bittere Niederlage bei den Kommunalwahlen erlitten hat. „Es hat mir Sorgen gemacht, dass die SPD da verloren hat.“ Die Familie stand der SPD immer nahe, für Hannelore Kraft verkörpert die Partei soziale Gerechtigkeit, Bildungsreform, gesellschaftliche Durchlässigkeit und auch die eigene Chance zu studieren. „Ich wollte etwas zurückgeben.“ Sie geht zur SPD und sagt: „Vielleicht könnt ihr mich gebrauchen.“ 1995 wird sie in den Vorstand der SPD Mülheim gewählt.

Als Hannelore Kraft Landtagsabgeordnete, Ministerin und Vorsitzende der NRW-SPD wird, übernimmt Ehemann Udo, der als Elektroinstallationsmeister etwas kürzer tritt, mehr und mehr den Haushalt. Anders geht es nicht. Die Landesvorsitzende reist durch Nordrhein-Westfalen, besucht Kindertagesstätten, Firmen, Schulen oder Altenheime. Bis zur Wahl der Ministerpräsidentin ist die Familie ein längst eingespieltes Team, was wichtig ist, weil Hannelore Kraft bei allen Aufgaben und Terminanforderungen des Amtes den direkten Kontakt zu Menschen behalten will. Sie arbeitet weiter im Rahmen ihrer Veranstaltungsreihe „TatKraft“ einen Tag lang in Betrieben und Einrichtungen mit. Zu erfahren, was Menschen in ihrem Alltag belastet oder einschränkt, hält Hannelore Kraft für unverzichtbar.

Aber sie baut in ihren eng beschriebenen Terminkalender bewusst Pausen ein. „Man muss auch mal Zeit zum Nachdenken haben. Sonst ist man irgendwann nicht mehr gut.“ Alle Gespräche, Erlebnisse und Schilderungen fließen in wichtige politische Fragestellungen ein. Reicht die Betreuung und Förderung kleiner Kinder in NRW aus? Kann eine alleinerziehende Mutter Beruf und Erziehung bewältigen? Wird genug für Integration getan? „Wer frühzeitig in gute Bildung investiert, in mehr Kinder- und Ganztagsbetreuung, in passgenaue Hilfen für Alleinerziehende und Familien und in eine vorsorgende Sozialpolitik, der sorgt am besten für die Zukunft vor.“

Nachhaltige Finanzpolitik heißt für Hannelore Kraft, mehr Geld in Chancen für Menschen zu investieren, damit sie später einen guten Arbeitsplatz finden und nicht auf Hilfe angewiesen sind. „Das hat etwas mit Würde zu tun.“ Und vorsorgende Politik ermöglicht es langfristig, den Landeshaushalt wieder in Ordnung zu bringen, weil die Kosten für die Nachsorge sinken.
Auch bei den scheinbar abstrakten Fragen, etwa zur Zukunft des Industriestandortes NRW, gilt für Hannelore Kraft das Prinzip der geerdeten Politik. Für den Standort bedeutet das ein Bekenntnis zur Industrie, aber unter bestimmten Bedingungen: nachhaltiges Wachstum, umweltfreundlich ausgerichtet, mit guten Arbeitsbedingungen und fairen Löhnen. „Der Mensch steht im Mittelpunkt.“

Lebenslauf Hannelore Kraft

Hannelore Kraft

Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen

geboren am 12. Juni 1961 in Mülheim an der Ruhr, evangelisch, verheiratet, Mutter eines Sohnes

Ausbildung

  • 1980: Abitur
  • Ausbildung zur Bankkauffrau
  • Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität/Gesamthochschule Duisburg (Abschluss als Diplom-Ökonomin)
  • Berufliche Tätigkeit als Unternehmensberaterin und Projektleiterin

Landtag Nordrhein-Westfalen

  • Seit 2. Juni 2000: Mitglied des Landtags Nordrhein-Westfalen
  • Juni 2005 bis Juli 2010: Vorsitzende der SPD-Fraktion

Landesregierung Nordrhein-Westfalen

  • April 2001 bis November 2002: Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten
  • November 2002 bis Juni 2005: Ministerin für Wissenschaft und Forschung
  • Seit 14. Juli 2010: Ministerpräsidentin

SPD

  • Seit 1994: Mitglied der SPD
  • 1995 bis März 2009: Mitglied des Unterbezirksvorstands der SPD Mülheim
  • Seit 2004: Mitglied im Vorstand der NRWSPD
  • Seit 2005: Mitglied des Parteivorstands der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
  • Seit 2007: Mitglied im Präsidium der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands
  • Seit 20. Januar 2007: Vorsitzende der NRWSPD
  • Seit November 2009: stellvertretende Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

Mitgliedschaften

  • Mitglied der IG Metall
  • Mitglied der Arbeiterwohlfahrt
Porträtfotos Hannelore Kraft

Porträtfotos der Ministerpräsidentin

Die nachfolgenden Porträtfotos von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft können unter Angabe der Bildquelle honorarfrei heruntergeladen und veröffentlicht werden.
Der Bildquellennachweis lautet: Foto: Land NRW / M. Hermanau

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Interview: "Der Mensch steht im Mittelpunkt"

Wie würden Sie NRW in einem knappen Satz beschreiben?
Hier leben Menschen, die das Herz auf dem rechten Fleck haben.

Welchen Ort im Land mögen Sie am liebsten?
Ein Spaziergang in den Ruhrauen.

Was sollte man in NRW auf keinen Fall verpassen?
Die Route Industriekultur.

Welche regionale Spezialität können Sie empfehlen?
Sauerbraten.

Welches politische Projekt für NRW liegt Ihnen am meisten am Herzen?
Kein Kind zurücklassen!

Transparenzerklärung

Erklärung gemäß § 16 Satz 1 des Gesetzes zur Verbesserung der Korruptionsbekämpfung und zur Errichtung und Führung eines Vergaberegisters in NordrheinWestfalen (Korruptionsbekämpfungsgesetz - KorruptionsbG)

Stand: 30. Juni 2016

Nr. Organisation Funktion
Ausgeübter Beruf
(§ 16 Satz 1 Nr. 1 KorruptionsbG)
1.1 Land NRW  Ministerpräsidentin
Beraterverträge
(§ 16 Satz 1 Nr. 1 KorruptionsbG)
1.2 ./. ./.
Mitgliedschaften in Aufsichtsräten und anderen Kontrollgremien im Sinne des § 125 Abs. 1 Satz 5 des Aktiengesetzes
(§ 16 Satz 1 Nr. 2 KorruptionsbG)
2.1 ./. ./.
Mitgliedschaft in Organen von verselbständigten Aufgabenbereichen in öffentlichrechtlicher oder privatrechtlicher Form der in § 1 Abs. 1 und Abs. 2 des Landesorganisationsgesetzes genannten Behörden und Einrichtungen
(§ 16 Satz 1 Nr. 3 KorruptionsbG)
3.1 KlimaEXPO.NRW
(Expo Fortschrittsmotor Klimaschutz GmbH)
Vorsitzende des Kuratoriums
3.2 Nordrhein-westfälische Akademie der Wissenschaften Vorsitzende des Kuratoriums
Mitgliedschaft in Organen sonstiger privatrechtlicher Unternehmen
(§ 16 Satz 1 Nr. 4 KorruptionsbG)
4.1 RAG-Stiftung Mitglied des Kuratoriums
4.2 Deutsche Kinder- und Jugendstiftung Mitglied des Stiftungsrates
Funktionen in Vereinen und vergleichbaren Gremien
(§ 16 Satz 1 Nr. 5 KorruptionsbG)
5.1 Heinz-Kühn-Stiftung Vorsitzende des Vorstandes
5.2 Heinz-Kühn-Stiftung Vorsitzende des Kuratoriums
5.3 Kunststiftung NRW Vorsitzende des Kuratoriums
5.4 Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW Vorsitzende des Stiftungsrates
5.5 Nordrhein-westfälische Stiftung zur Nachwuchsförderung im Leistungssport – Sportstiftung NRW Vorsitzende des Kuratoriums
5.6 NRW-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege Vorsitzende des Stiftungsrates
5.7 Stiftung Kunstsammlung NRW Vorsitzende des Kuratoriums
5.8 Stiftung Museum Schloss Moyland Sammlung van der Grinten Joseph Beuys Archiv des Landes NRW Vorsitzende des Kuratoriums
5.9 Stiftung Entwicklung und Frieden Vorsitzende des Kuratoriums
5.10 Friedrich-Ebert-Stiftung Stellvertretende Vorsitzende
5.11 Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen Mitglied des Stiftungsrates
5.12 Deutsches Museum München Mitglied des Kuratoriums
5.13 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung Mitglied des Kuratoriums

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