Rechtsberatung für Flüchtlinge

2. November 2015

Kölner Studierende bieten kostenlose Rechtsberatung für Flüchtlinge an

Seit Februar 2013 gibt es die Refugee Law Clinic Cologne. Die rund 200 Mitglieder begleiten die Schutzsuchenden während des Asylverfahrens

Sie haben ihr Jura-Examen noch nicht in der Tasche und verhelfen Menschen dennoch schon jetzt zu ihrem Recht. Einem Ehepaar aus Serbien zum Beispiel, das nach der Flucht getrennt und auf zwei Kölner Stadtbezirke verteilt wurde. Er ist fast blind, hört schlecht und spricht kein Wort Deutsch. Ohne die Hilfe seiner Frau war er in der fremden Umgebung aufgeschmissen. Jetzt sind die beiden wieder vereint. Zu verdanken haben sie das Pia Bruckschen.

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Die 26-Jährige hat einen Umverteilungsantrag gestellt. Für eine angehende Juristin, die gerade ihr Referendariat in einer Kanzlei macht, keine große Sache. Für einen Menschen, der aus seiner Heimat geflohen ist, die Sprache nicht spricht und das System nicht kennt, hingegen schon.
 
Pia Bruckschen ist Mitglied in der Refugee Law Clinic Cologne. Sie hat den gemeinnützigen Verein im Februar 2013 mitgegründet. Die Idee hatte damals Maximilian Oehl, ein ehemaliger Kölner Jura-Student, der inzwischen promoviert. „Ein Jura-Studium bedeutet viel Theorie und wenig Praxis. Ich hatte das Bedürfnis, mich gesellschaftlich zu engagieren“, sagt er. Bei seinen Recherchen stieß er auf das anglo-amerikanische Modell der Law Clinics.
 
Eine Idee, die in Köln schnell Unterstützer fand. Rund 200 Mitglieder zählt die Refugee Law Clinic Cologne. Studierende und Promovierende, die Flüchtlinge kostenlos in Fragen des Asyl- oder Ausländerrechts beraten. Die meisten studieren an der juristischen Fakultät der Universität zu Köln. Daneben engagieren sich aber auch Studierende anderer Kölner Hochschulen und Studiengänge.
Trotz der Vielzahl an freiwilligen Helferinnen und Helfern kommen die Mitglieder der Law Clinic mit der Arbeit kaum hinterher. "Die Zahl der Anfragen hat deutlich zugenommen", sagt Maximilian Oehl. 240 Fälle haben die angehenden Juristinnen und Juristen bei ihrer jüngsten Erhebung im April erfasst. Die Flüchtlinge melden sich per E-Mail und Facebook oder rufen auf dem Vereinshandy an. Alle zwei Wochen organisieren die Studierenden eine Sprechstunde in einem Kölner Flüchtlingsheim.

„Wir sehen uns keinesfalls als Ersatz für eine anwaltliche Tätigkeit. Vielmehr möchten wir eine Lücke schließen zwischen 'es ist gar keine Hilfe nötig und der Anwalt muss kommen'“, sagt Tobias Brings, der erste Vorsitzende des Vereins. Die Mitglieder der Law Clinic decken ein breites Spektrum an Hilfsangeboten ab. Sie begleiten die Flüchtlinge bei Behördengängen, sie setzen formale Schreiben auf und bereiten die Schutzsuchenden auf das Asylverfahren vor. Sie behalten Fristen im Blick und prüfen den Aufenthaltstitel. Wer darf arbeiten oder seinen Wohnort wechseln? Wie sieht es bei Minderjährigen mit der Schulpflicht aus?

Unterstützt werden die Studierenden dabei von einem 18-köpfigen Beirat aus Juristinnen und Juristen, Richterinnen und Richtern, Professorinnen und Professoren sowie einer Psychologin. "Beim Asylverfahren werden von Anfang an Anwälte aus dem Beirat in die Beratung mit einbezogen", sagt Tobias Brings. Wer Flüchtlinge juristisch beraten will, muss außerdem zunächst an einer Schulung teilnehmen und eine Prüfung ablegen. Hier arbeitet die Law Clinic mit der Uni Köln zusammen. Die Hochschule bietet eine entsprechende Lehrveranstaltung an, die sich die Studierenden für ihr Studium anrechnen lassen können.

Für die Flüchtlinge ist die Kölner Law Clinic aber weit mehr als eine Rechtsberatung. Die Studierenden sind Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in einem fremden Land. Menschen, denen die Schutzsuchenden vertrauen und an die sie sich wenden können. "Auch wenn ein Fall abgeschlossen ist, bleiben wir mit den Mandanten in Kontakt", sagt Pia Bruckschen. 

Quelle: MIWF NRW
 

Flüchtlingshilfe auf www.ich-helfe.nrw
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