"Jeweils wichtigste Handelspartner"

Interview
26. September 2017

Niederländischer Generalkonsul Ton Lansink im Interview zur ersten Auslandsreise von Ministerpräsident Armin Laschet

"Die Niederlande und NRW sind füreinander ihre jeweils wichtigsten Handelspartner."

Ton Lansink ist seit 2014 der Generalkonsul des Königsreichs der Niederlande in Düsseldorf. Er ist für die nordrhein-westfälische Landesregierung der erste Ansprechpartner, wenn es um die Zusammenarbeit Nordrhein-Westfalens mit den Niederlanden geht. Im Interview erklärt Generalkonsul Ton Lansink, warum Nordrhein-Westfalen und die Niederlande füreinander so wichtige Partner sind und welche Bedeutung die erste Niederlande-Reise von Ministerpräsident Laschet für beide Länder hat.

 

Sehen Sie hier Auszüge des Interviews mit Generalkonsul Ton Lansink im Video:

 

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NRW in Europa Interview mit Generalkonsul Ton Lansink - Teil 1 1:08 min Video: Land NRW Der Generalkonsul des Königreichs der Niederlande in Düsseldorf, Ton Lansink, hat vor dem Hintergrund der aktuellen Niederlande-Reise von...
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NRW in Europa Interview mit Generalkonsul Ton Lansink - Teil 2 2:40 min Video: Land NRW Der Generalkonsul des Königreichs der Niederlande in Düsseldorf, Ton Lansink, hat vor dem Hintergrund der aktuellen Niederlande-Reise von...

 

Lesen Sie hier das vollständige Interview mit Niederlandes Generalkonsul Ton Lansink:

Frage:
Sie sind in Lichtenvoorde geboren, unweit der Grenze der Niederlande zu Nordrhein-Westfalen. Wie haben Sie das grenzüberschreitende Miteinander erlebt?
Generalkonsul Ton Lansink:

Wir waren oft in Deutschland. Entweder für einen Familienbesuch, zwei meiner Onkels wohnten in Deutschland mit ihren Familien, im Sommer waren wir öfters auf Tagesausflügen an einem See gerade über die Grenze gefahren und ich erinnere mich an die vielen Einkaufsfahrten meiner Eltern. Als Jugendlicher habe ich meine erste Nacht in einer Jugendherberge in Kleve verbracht.

Frage:
Seit 2014 sind Sie Generalkonsul der Niederlande in Düsseldorf. Wie fühlen Sie sich hier bei uns am Rhein und was waren seitdem Ihre Arbeitsschwerpunkte als Generalkonsul?
Generalkonsul Ton Lansink:

Ich fühle mich hier in Düsseldorf sehr wohl, wie ein Fisch im Wasser. Die Kultur meiner Heimat ist Rheinländisch/Westfälisch. Es gibt Karneval, Schützenvereine und so weiter. Die Weltoffenheit Düsseldorfs gefällt mir als Diplomat sehr gut.

Arbeitsschwerpunkt zum Einen ist natürlich die Wirtschaftsförderung. Die Niederlande und NRW sind füreinander ihre jeweils wichtigsten Handelspartner. Dafür spricht allein schon das enorm große Handelsvolumen.

Zum anderen liegt mein Hauptaugenmerk auf der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit. Zum Beispiel im Bereich des Verkehrswesens und Infrastruktur, der Sicherheit und des Katastrophenschutzes, der Raumplanung, auf dem Arbeitsmarkt und in der Flüchtlingsproblematik.

Nicht zu vergessen ist meine Aufgabe in Den Haag Bewusstsein dafür zu schaffen, dass nicht nur rein nationale Politik und Politik auf EU-Ebene im Fokus stehen sollte, sondern die Nachbarländer-Politik immens wichtig ist und noch mehr Bedeutung erhalten sollte.

Die Grenzbewohner und Bewohnerinnen empfinden noch immer Hemmnisse, wenn Sie sich im Nachbarland behandeln lassen wollen oder wenn Sie sich auf der anderen Seite der Grenze bewerben um eine Arbeitsstelle, den öffentlichen Verkehr nutzen möchten oder geschäftsmäßig tätig sind. Das Potenzial der Grenzregion ist, wie es die Europäische Union unterstrich, also noch gar nicht voll ausgeschöpft. Es stellt eine wahre Goldmine an Möglichkeiten dar, die darauf wartet, erschlossen zu werden.

Eine wichtige Aufgabe ist es auch die Dezentralisierungspolitik der niederländischen Regierung den Nachbarn zu erläutern. Die Dezentralisierung, bei der einige zentralstaatliche Aufgaben, beispielsweise im Bereich der Raumordnung, auf subsidiäre Ebenen übertragen wurden, sorgt für erweiterte Befugnisse und Verantwortlichkeiten der niederländischen Provinzen, die sich auf die Zusammenarbeit mit den Nachbarn Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen auswirken.

Daher arbeiten die niederländischen Provinzen Limburg, Gelderland, Noord-Brabant und Overijssel zusammen mit NRW, Niedersachsen und Flandern momentan an einer gemeinsamen Governance der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Frage:
Ministerpräsident Armin Laschet besucht während seiner Niederlande-Reise nicht nur Den Haag, sondern auch den Rotterdamer Hafen. Wieso ist der so wichtig für die Zusammenarbeit beider Länder und welchen Tipp geben Sie dem Ministerpräsidenten auf dem Weg für seine erste Auslandsreise?
Generalkonsul Ton Lansink:

Der Rotterdammer Hafen ist wie eine Nabelschnur, die unsere beiden Länder miteinander verbindet. Der überwiegende Teil der umgeschlagenen Waren, die Rotterdam verlassen, hat sein Ziel in Deutschland, welches somit den wichtigsten Bestandteil des Hafen-Hinterlandes darstellt.

Mein Tipp für Herrn Ministerpräsidenten Laschet lautet darauf zu bauen, dass die Interessen der Niederlande in vielen Bereichen mit den Nordrhein-Westfalens übereinstimmen. Wenn Herr Laschet bei Gesprächen im Rahmen seines Antrittsbesuchs in den Niederlanden das Gefühl hat an diesem oder jenem Punkt sollte man unbedingt grenzüberschreitend zusammenarbeiten, dann rennt er damit sicherlich offene Türen bei den Niederländern ein.
 

Zur Person:
Generalkonsul Ton Lansink

Ton Lansink ist der Generalkonsul des Königreichs der Niederlande in Düsseldorf. Er trat seinen Dienst in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt im Jahr 2014 an. Der studierte Historiker trat 1981 in den Auswärtigen Dienst ein. Es folgten Stationen im Ausland, unter anderem in Kairo, Bagdad und Washington D.C.. Im niederländischen Außenministerium in Den Haag bekleidete Ton Lansink unter anderen den Posten als Direktor des Zentrums für die Förderung des Imports aus Entwicklungsländern. Vor seinem Antritt in Düsseldorf leitete Ton Lansink die niederländische Auslandsvertretung in Tripoli als Botschafter.

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