Einsatz digitaler Medien im Schulunterricht

Interview
8. März 2016

"Der Wandel der Lernkultur erfolgt nicht durch Einsatz von Technologie, sondern durch neues Lernen mit Medien." - Interview mit dem Lehrer André J. Spang

André J. Spang ist Lehrer an einem Kölner Gymnasium mit den Fächern Musik und Religion. Er ist Gründer und Moderator des #EDChatDE, dem größten deutschsprachigen Twitter-Chat für Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Bildungsinteressierte und internationaler Experte für mobiles Lernen und Open Educational Resources (OER). André J. Spang ist Podiumsteilnehmer auf dem Kongress "Lernen im Digitalen Wandel" der NRW-Landesregierung am 11. März 2016 in Neuss. Er wird dort Einblicke aus seiner Tätigkeit als Lehrer geben, der im Unterricht verstärkt digitale Medien einsetzt. Mit dem Landesportal www.land.nrw sprach er vorab in einem Kurzinterview.

 
Land.NRW:
Als „DigitalLeadLearner“ setzen Sie im Schulunterricht gerne auch digitale Medien ein. Welche Chancen bietet aus Ihrer Sicht die Digitalisierung für den Bildungsbereich?
André J. Spang:

Technologie und digitale Medien ermöglichen es mir, Routineaufgaben an die Technik abzugeben und mich mehr der individuellen Förderung in einer inhomogenen Lerngruppe zu widmen. Dabei fördere ich die, wie ich finde, wichtigsten Kompetenzen des 21. Jahrhunderts: Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken durch Nutzung und in Bezug auf digitale Technologie und Medien. Ich lege den Schwerpunkt auf kreative und konstruktive Nutzung der Medien. Digitalisierung und daraus sich ergebende Vernetzung und Partizipation bedeuten auch ein Wandel des Rollenverständnisses, denn Lernende können und sollen Lernprozesse mitgestalten. Der Wandel der Lernkultur erfolgt nicht durch Einsatz von Technologie, sondern durch neues Lernen mit Medien: Dieser Wandel findet im Kopf und mit Herz statt. Sicher ist aber, dass Schule sich ändern muss und wird.

Land.NRW:
Bei allen Vorteilen, die Wikis, Etherpads und Medien 2.0 im Unterricht bieten können – wo liegen die Grenzen der Digitalisierung im Bildungsbereich?
André J. Spang:

Technologie kann und darf einen Lehrer nicht ersetzen. Gerade heute ist der Lehrer wichtiger denn je, mit seiner fachlichen, aber vor allem mit pädagogischer und im Hinblick auf sich ändernde Lernszenarien auch methodisch-didaktischer Kompetenz. Meine Schüler, mit denen ich regelmäßig meinen Unterricht und den Medieneinsatz reflektiere, haben mir deutlich zurückgemeldet, dass das Wichtigste in der Schule "die Bezugsperson Lehrer ist, die einem Dinge nahebringt, Diskussionen anleitet und dabei ein streitbares Gegenüber bleibt". Beim Einsatz von digitalen Medien braucht es ein klares Konzept, aber auch Mut, Fehler zu zulassen und sich nicht davon abbringen zu lassen, den Prozess des schulischen und damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandels mitzugestalten.

Land.NRW:
Sie haben 2013 den deutschen Bildungschat #EdChatDE gegründet. Seitdem diskutieren dort jede Woche auf Twitter Lehrerinnen und Lehrer bildungsrelevante Themen. Ist aus Ihrer Sicht vorstellbar, dass eines Tages „offizielle“ Lehrerfortbildungen über soziale Netzwerke stattfinden?
André J. Spang:

Auszuschließen ist es nicht, das Fortbildungen „in Zukunft“ öfter so ablaufen. Soziale Netzwerke sind allerdings informell und leben von Partizipation. Dies läuft dem Begriff „offiziell“ entgegen. Offizielle Lehrerfortbildung ist bislang ein vorgegebener Rahmen, in dem innerhalb eines bestimmten Zeitraumes ein bestimmter Input gegeben wird. Dies soll Output bewirken und Haltungen prägen. Am Ende steht ein Zertifikat. Mit non-formalen Fortbildungsaktivitäten im Rahmen der Lehrerfortbildung, die ich als Lehrer selbstbestimmt mitgestalte, tut sich das bisherige System schwer. Dabei findet non-formale Fortbildung im Netz bereits statt. Der #EDchatDE ist dafür ein Beispiel. Dass die regelmäßige Teilnahme dort von offizieller Seite akkreditiert oder durch Badges zertifiziert wird, wäre ein möglicher Schritt. Vielleicht führt der Kongress "Lernen im digitalen Wandel" unter anderem dazu, dass man an dieser Stelle von offizieller Seite etwas wagt. Ob das passieren wird? – Auszuschließen ist das nicht.

Zur Person:
André J. Spang

André J. Spang ist Lehrer an einem Kölner Gymnasium mit den Fächern Musik und Religion. Er ist Gründer und Moderator des #EDChatDE, dem größten deutschsprachigen Twitter-Chat für Lehrerinnen und Lehrer sowie weitere Bildungsinteressierte. Des Weiteren setzt André J. Spang im Schulunterricht verstärkt auf den Einsatz digitaler Medien. André J. Spang ist Lehrbeauftragter an verschiedenen Hochschulen in Deutschland und internationaler Experte für mobiles Lernen und OER (Open Educational Resources, zu deutsch: freie Bildungsmaterialien).

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