Der neue alte Kabinettsaal im Landeshaus

7. November 2017

Der neue alte Kabinettsaal im Landeshaus

Hintergrundinformationen zum Kabinettsaal im Landeshaus

Die Konferenzsessel, in denen die Ministerinnen und Minister des Kabinetts von Ministerpräsident Armin Laschet nach dem Umzug ins Landeshaus Platz nehmen, wie auch der Tisch, an dem sie künftig die Geschicke des Landes Nordrhein-Westfalen gestalten werden, stammen aus dem so genannten „Kabinettsaal“ im „Haus des Ministerpräsidenten“.

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Die Konferenzsessel, in denen die Ministerinnen und Minister des Kabinetts von Ministerpräsident Armin Laschet nach dem Umzug ins Landeshaus Platz nehmen, wie auch der Tisch, an dem sie künftig die Geschicke des Landes Nordrhein-Westfalen gestalten werden, stammen aus dem so genannten „Kabinettsaal“ im „Haus des Ministerpräsidenten“.

Dieses „Haus des Ministerpräsidenten“ an der Elisabethstraße 5-11 in Düsseldorf – in einigen Aufzeichnungen heißt es präziser „5 und 8-11“ - war 1952 erworben worden. Im Jahr 1953 wurde dann damit begonnen, einen Kabinettsaal einzurichten – und zwar im ersten Obergeschoss des nördlichen Anbauflügels. Planung und  Gestaltung des hochwertigen Interieurs waren im gleichen Jahr nach dem Entwurf des Architekten Karl Monerjan (1906 bis1972) in modernistischen Formen der 1950er Jahre und eigens für Zwecke der Landesregierung konzipiert worden. Das galt auch für den Kabinetttisch, der aus europäischem Nussbaumholz im Jahr 1954 von den beiden Schreinern Ralf Engel und Georg Papenfuss gefertigt wurde, wie eine unter dem Tisch angebrachte Notiz vom 20. Dezember 1954 belegt.

Offenbar muss für diesen Kabinetttisch aber eine Zwischenlösung gefunden worden sein, denn das Kabinett tagte nachweislich bereits ab Mai 1953 in den neu gestalteten Räumen. Bis 1959 diente die Maßanfertigung dann den Kabinetten der Ministerpräsidenten Karl Arnold, Fritz Steinhoff und Franz Meyers für ihre Beratungen.

Was mit dem Tisch geschah, nachdem er nicht mehr seinem originären Zweck diente, ist nur wenig belegt. Fest steht aber, dass der gesamte Kabinettraum mit seiner Originaleinrichtung ab dem Jahr 1992 dem im Jahre 1990 gegründeten Ministerium für Bauen und Wohnen, anschließend dem Ministerium für Städtebau und Wohnen, Kultur und Sport und schließlich dann dem Ministerium für Bauen und Verkehr bis 2007 als Besprechungsraum zur Verfügung stand. Mit dem Verkauf des Gebäudes in der Elisabethstraße im Jahr 2007 und dem Auszug des Ministeriums erfolgte die Sicherstellung des gesamten Ensembles (Tisch, Konferenzsessel, Wandvertäfelung mit einem Messing-Relief von Robert Pudlich, Wanduhr aus Messing sowie schallabsorbierende vertäfelte Türen). In den Folgejahren gab es dann immer wieder Überlegungen, wie das Interieur angemessenen verwendet werden kann. Doch alle diese Pläne blieben Pläne und wurden nicht verwirklicht.

Und auch die Konservierung selbst gestaltete sich zunehmend schwierig: So sah die Bezirksregierung Düsseldorf im Jahr 2008 von einer Eintragung des  Ensembles in die Denkmalliste ab. Der Grund aus Sicht der Denk­malschutzbehörde: Eine Denkmaleigenschaft für die translozierten Teile sei nicht begründbar. Die Entscheidung kam einem Verfall auf Raten gleich, denn von diesem Moment an lagerte das Mobiliar beinahe vergessen in einer Lagerhalle. Ein geeigneter Standort für eine Nutzung sollte sich nicht mehr finden.

Das änderte sich, als die Oberste Denkmalbehörde des Landes im April 2015 ins Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr Nordrhein-Westfalen überführt wurde und zum Jürgensplatz umzog. Für das Ensemble sollte das eine erneute Indienstnahme bedeuten, gab die Ministeriumsspitze doch den Auftrag aus, ohne großen Kostenaufwand einen Besprechungsraum einzurichten. Die Lösung fand sich in dem historischen Ensemble, das auf diese Weise „reaktiviert“ wurde und fortan wieder genutzt werden sollte. Alles, was es dafür zu tun galt, erledigte die Schreinerei Lohfink aus Düsseldorf, die auch den Ausbau des Ensembles seinerzeit vorgenommen hatte. Lars Engels, Schreinermeister der Schreinerei arbeitete den Tisch noch im gleichen Jahr auf und passte ihn an die neuen räumlichen Verhältnisse an.

Mit der Entscheidung der Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet, die Staatskanzlei wieder an ihre alte Wirkungsstätte zurückzuführen, wurde auch die Entscheidung getroffen, das geschichtsträchtige Mobiliar zu würdigen. Am 6. Oktober 2017 – 21 Tage vor dem Umzug der Staatskanzlei – wurde der alte Kabinetttisch deshalb in das Landeshaus geholt. Am 7. November 2017 findet hier die erste Kabinettsitzung in der alten, neuen Staatskanzlei am alten, neuen Kabinetttisch statt.

Die zeitgemäße Nutzung von historischem Mobiliar und das Arbeiten und Leben mit historischem Ambiente ist nicht immer leicht. Vielleicht gelingt es aber, den Gedanken an Komfort und Technik hinter den Geist der Geschichte des Mobiliars zurückzustellen und stattdessen die Vielzahl und Bedeutung der Entscheidungen, die für dieses, unser Land, an diesem Tisch getroffen wurden, zu würdigen.

Das Landeshaus wurde in der Zeit von 1909 bis 1911 unter der Planung und Leitung des Düsseldorfer Architekten Hermann vom Endt (1861 bis 1939) erbaut – allerdings nicht in Gänze, so, wie Sie es jetzt sehen, sondern nur der rheinseitige Teil mit drei Obergeschossen bis zum heutigen Querriegel, also als Vierflügelanlage mit der Hauptfassade zum Rhein.

Die Baukosten für das Verwaltungsgebäude und die angrenzende Dienstwohnung des Landhauptmanns – Villa Horion – bezifferte vom Endt auf 1,35 Millionen Mark. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde das vierte Obergeschoss erbaut.

Der so genannte „Rühl’sche Anbau“ an der Berger Allee wurde erst nach der Weltwirtschaftskrise in der Zeit von 1930 bis 1933 errichtet. Durch ihn wurde das Landeshaus etwa um die Hälfte vergrößert.

Von 1911 bis 1945 befand sich im heutigen Landeshaus die Zentralverwaltung des Rheinischen Provinzialverbandes, der kommunalverbandlichen Selbstverwaltung der Rheinprovinz, 1945 bis 1953 der provisorischen Selbstverwaltung. Der Landeshauptmann saß nebenan in der Villa Horion.
In der unmittelbaren Nachkriegszeit wurden Landeshaus und Villa Horion unterschiedlich genutzt: Nachdem die Kriegsschäden in der Villa Horion beseitigt worden waren, war dort zunächst  bis 1956 ein britisches Offizierskasino untergebracht. Vom August 1946 bis zum 1. April 1953 war die Villa Amtssitz und Staatskanzlei der Ministerpräsidenten Rudolf Amelunxen (Amtszeit: 24. Juli 1946 bis 22. April 1947) und Karl Arnold (Amtszeit: 17. Juni 1947 bis 20. Februar 1956). Die Villa Horion wurde ab dem Jahr 1959 grundsaniert. Danach war sie von 1961 bis 1999 Amtssitz der Ministerpräsidenten Dr. Franz Meyers, Heinz Kühn, Johannes Rau und Wolfgang Clement. Heute befindet sich dort das Haus der Parlamentsgeschichte.

In den Jahren 1945 und 1946 war das Landeshaus Sitz der Provinz Nordrhein. Im Jahr 1946 – nach der Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen – zogen Teile der Landesministerien ins Landeshaus ein. Sechs Jahre später – 1952 – waren dort zur selben Zeit das Arbeitsministerium, das Sozialministerium und der Landschaftsverband untergebracht. Bereits vor 65 Jahren dachte man mit dem Erwerb des Landeshauses durch das Land darüber nach, hiermit den Grundstein für ein Regierungsviertel zu legen – eine Idee, die damals so aktuell war, wie sie es heute noch ist. Von 1954 bis 1959 war hier die Zentralverwaltung des Landschaftsverbandes Rheinland, zusammen mit verschiedenen Ministerien des Landes Nordrhein-Westfalen. In den Jahren 1959 bis 1961 wurde das Gebäude dann grundsaniert, ehe es von 1961 bis 1970 Amtssitz des Ministeriums für Arbeit und Soziales bzw. von 1970 bis 1996 des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales wurde. In der Zeit von 1961 bis 1999 residierte hier die Staatskanzlei. Nach deren Umzug ins Stadttor wurde das Landeshaus bis 2000 erneut grundsaniert. In den folgenden 17 Jahren beherbergte es Ministerien ganz unterschiedlicher Zuschnitte. 2001 zog das Ministerium für Arbeit, Soziales, Qualifikation und Technologie dort für ein Jahr ein. Von 2002 bis 2005 befand sich das Ministerium für Wirtschaft und Arbeit an dieser Adresse. Für die Dauer der Legislatur 2005 bis2010 residierte das Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration und vom Ende der Dekade bis 2017 das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter im Landeshaus. Mit seiner Entscheidung zum Umzug in das historische Landeshaus machte Ministerpräsident Armin Laschet das Haus wieder zum Sitz des Ministerpräsidenten. Im Oktober 2017 kehrte die Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen schließlich wieder an den Horionplatz 1 zurück.

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