Ehemalige Kaserne als Flüchtlingsunterkunft

7. Oktober 2015

„Dann ist das hier eben mein Ehrenamt“

Angelika Hage hat eine Kaserne für Flüchtlinge hergerichtet

Zwei Wochen hatte Angelika Hage aus der Niederlassung Köln des Bau- und Liegenschaftsbetriebes NRW (BLB NRW) Zeit, um Gebäude in der leerstehenden Ermekeil-Kaserne in Bonn für Flüchtlinge herzurichten. Unmöglich – möchte man meinen. Aber irgendwie hat sie es dann doch geschafft.

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„Das ist jetzt unsere große Herausforderung“, sagt Angelika Hage und blickt in den Schacht des stillgelegten Lastenaufzugs in der Großküche in Gebäude 6. „Die wollen den Schacht gerne als Durchfahrt benutzen, damit sie mit ihren Paletten hier durchkommen.“ Es ist Mittwochnachmittag. Freitag ist Hages letzter Arbeitstag vor dem Urlaub. 

Mit Herzblut bei der Sache: Angelika Hage aus der BLB NRW-Niederlassung Köln und Einrichtungsleiter Iurie Chriacov

Die Erholung braucht sie dringend, denn die letzten Wochen und Monate waren aufreibend. Bedenken, ob sie das in der kurzen Zeit noch geregelt kriegt, hat sie keine. Ihren Pragmatismus hat die BLB-Kollegin in den vergangenen Monaten oft genug unter Beweis gestellt. Er ist einer der Gründe, warum Einrichtungsleiter Iurie Chiriacov vom Deutschen Roten Kreuz nur lobende Worte für sie findet. Sie macht Dinge mit ihm möglich. Unbürokratisch, pragmatisch und schnell. „Was soll ich nur machen, wenn sie bald weg ist?“ fragt er und lacht. Aber die Frage dürfte durchaus ernst gemeint sein.

Der gebürtige Moldawier ist vor einigen Jahren selbst nach Deutschland eingewandert: „Ich habe mich ein bisschen selbst integriert, jetzt helfe ich anderen“, sagt er. Dass er engagiert bei der Sache ist und keinen Dienst nach Vorschrift macht, ist nicht zu übersehen. Er hat viele Ideen und Pläne, wie er den Asylbewerbern in der alten Kaserne wenigstens ein Stück weit ein Zuhause auf Zeit bieten kann: Frauenraum, Gebetsraum, Unterrichtsraum für die Deutsch-Stunden; und wenn der Telekommunikations-Anbieter pünktlich mitspielt, vielleicht auch ein oder zwei Gemeinschaftsräume mit Fernsehern und Internet.

Sanitäranlagen in der Unterkunft.

Dass die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) die Ermekeil-Kaserne für die Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung stellt, erfuhr Angelika Hage Mitte Mai. Im Auftrag der Bezirksregierung fuhr sie raus und nahm die Liegenschaft in Augenschein. „Da musste nichts besonders schön werden, aber eine gefahrlose Nutzung und hygienische Mindeststandards müssen gewährleistet sein.“ Die Sanitäranlagen werden nun in Containern vor dem Gebäude bereitgestellt. Der Brandschutz wurde durch Brandmeldeanlagen, Feuerlöscher und Rauchmelder sichergestellt. Ein eilig aufgebauter Gerüsttreppenturm sorgt für einen zusätzlichen Fluchtweg. „Die Mittel wurden Mitte Juli bewilligt, zum 1. August sollten die ersten Flüchtlinge einziehen“, sagt Hage. Ihr blieben also zwei Wochen Zeit.

Firmen ließen alles stehen und liegen

Neben den nötigsten Sicherheitsvorkehrungen beschränkte sie sich daher zunächst darauf, das Erdgeschoss gefahrlos bewohnbar zu machen. Die Bauaufsicht war bereit, diese eingeschränkte Nutzung bis zur Durchführung eines Baugenehmigungsverfahrens zu dulden. Doch auch so war die Aufgabe anspruchsvoll genug. „Samstag kamen die Flüchtlinge, Freitagabend sind wir hier fertig geworden, als ehrenamtliche Helfer die Betten schon hergerichtet haben“, erinnert sich Hage.

Zusätzlicher Fluchtweg für die Unterkunft.

Dass es geklappt hat, war nur durch großes Engagement aller Beteiligten möglich. „Ich habe die Firmen angerufen: Wann kannst du rauskommen? Geht morgen? Alles klar. Dann los!“ sagt Hage. Aufgrund der Dringlichkeit konnte sie die Aufträge ohne Wettbewerb vergeben und so Firmen beauftragen, von denen sie wusste, dass auf diese Verlass ist. „Die haben alles stehen und liegen gelassen und sind am nächsten Tag bei uns aufgeschlagen, obwohl viele in den Ferien mit Arbeiten in den Schulen stark ausgelastet sind.“  Und mit dem Erdgeschoss war ja nur das Zwischenziel erreicht. Am 11. September hat die Unterkunft den Status einer Zentralen Unterbringungseinrichtung mit 400 Plätzen bekommen. In der Zwischenzeit musste Hage also auch noch die Stockwerke 1 und 2 bewohnbar machen. Mit zehn Arbeitsstunden am Tag war da nicht immer auszukommen. Hage versucht das positiv zu sehen: „Es engagieren sich so viele Leute ehrenamtlich für die Flüchtlinge. Dann ist das hier eben mein Ehrenamt.“ 

Speisesaal der ehemaligen Kaserne

Die Gedanken an die vielen Aufgaben haben Angelika Hage zuletzt auch in den Nächten so manches Mal wach gehalten. Doch die Arbeit für die Flüchtlinge hat sie auch emotional beschäftigt. Und natürlich zum Nachdenken gebracht. Über die Schicksale der einzelnen Menschen, aber auch über Fragen der Flüchtlingspolitik im Allgemeinen. „Ich habe die Arbeit vorher unterschätzt“, sagt Hage. Jetzt, da sie weiß, was es alles zu bedenken und zu tun gibt, kann sie sich ein besseres Bild machen. Auch von der großen Aufgabe, die uns als Gesellschaft angesichts der bleibend hohen Zahl asylsuchender Menschen bevorsteht. Doch wenn man will und muss, kann man alles schaffen. Das hat sie schließlich selbst bewiesen.

Quelle: BLB NRW

Hintergründe zur Ermekeil-Kaserne

Die Ermekeil-Kaserne wurde von 1955 bis zum Sommer 2013 durch die Bundeswehr genutzt. Auf dem 25.000 Quadratmeter  großen Grundstück befinden sich insgesamt sechs Gebäude. Derzeit sind das Gebäude 3 als Unterkunft mit 2900 Quadratmetern Nutzfläche und das Erdgeschoss des Gebäudes 6 (Kantine) mit insgesamt 1400 Quadratmetern Nutzfläche für die Unterbringung und Versorgung von bis zu 400 Flüchtlingen vorgesehen. Neben 378 Schlafplätzen in Doppelstockbetten stehen in Gebäude 3 noch 22 Plätze als Kranken- bzw. Isolierstationen bereit.

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