Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Gespeichert von Andreé Kringe am 20. Januar 2016
21. Januar 2016

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern

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Liebe Leserinnen und Leser,

vor kurzem bekam ich eine Mail von einer jungen Frau, Mutter eines kleinen Kindes. Sie fragte, wann sich endlich etwas tut beim Thema Telearbeit, dass sie in ihrer Firma gegen Wände rennt, dass sie das nicht versteht – wo alle über Digitalisierung sprechen. Sie hat Recht und das habe ich ihr auch geschrieben. Wir müssen vorankommen bei der Telearbeit, denn in den vergangenen 20 Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die Möglichkeiten der Telearbeit nutzen, so gut wie gar nicht erhöht – und das trotz enormen technologischen Fortschritts.

Wir müssen das Thema vorantreiben, denn Pendelzeiten sind Zeitfresser. Und die meisten Eltern haben zu wenig Zeit für ihre Familie. Im Rahmen des Familienberichts NRW, den wir vor wenigen Monaten vorgestellt haben, wurden 1.000 Familien aus ganz Nordrhein-Westfalen zu ihrer Lebenssituation befragt. Dabei wurde Zeitmangel als größtes Problem genannt – und das quer durch alle Gesellschafts- und Einkommensschichten. Damit wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zur wichtigsten Herausforderung – noch vor den Themen Geld, Kinderbetreuung oder Wohnen.

Für mich ist klar: Ich möchte keine abgehetzten Eltern in Nordrhein-Westfalen. Deshalb bin ich froh, dass ich wichtige Mitstreiterinnen und Mitstreiter habe, die gemeinsam an einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf arbeiten wollen. Dazu gehören Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Gewerkschaft, Kommunen, Verbänden und Organisationen. Wir alle haben uns am 20. Januar in Düsseldorf zu einem Familiengipfel getroffen.

Wir sind uns einig: Wir brauchen eine moderne Familien- und Unternehmenspolitik, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in den Mittelpunkt stellt. Arbeiten 4.0, das heißt: mobil, digital, selbstbestimmt arbeiten – darauf müssen und wollen wir uns einstellen. Telearbeit und Homeoffice  bringen große Chancen für Familien und Betriebe. Wir müssen die Hürden im Kopf überwinden und hin zu einer stärkeren Vertrauenskultur.

Und wir brauchen mehr Flexibilität in der Arbeitswelt, zum Beispiel durch vollzeitnahe Teilzeit und Teilzeit auch für Führungskräfte. Da gibt es schon viele gute Modelle und davon muss es noch mehr geben. Das wollen wir zusammen mit den Unternehmen anpacken.

Einige wichtige Eckpunkte haben wir auf unserem Familiengipfel vereinbart:

Wir wollen Familien in ihrer Gründungsphase unterstützen. Die Politik hat mit Elternzeit und Elterngeld, bzw. Elterngeld Plus wichtige Rahmenbedingungen geschaffen. Aber noch nicht alle Eltern können sich gleichberechtigt um ihren Nachwuchs kümmern, obwohl sie sich das wünschen. In den Betrieben braucht es einen konstruktiven Dialog, um zu einer Kultur der Wertschätzung und zu individuellen Lösungen zu kommen. Konkret können hier unter anderem flexible Urlaubsregelungen oder betriebliche Weiterbildungen für Mütter und Väter in Elternzeit helfen.

Wir müssen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern. Dazu zählen eine stetig besser werdende Betreuungsinfrastruktur für Kinder und familienfreundliche Personalmaßnahmen der Betriebe. Wir brauchen familienorientierte Arbeitszeitmodelle und Möglichkeiten ortsunabhängigen Arbeitens. Digitalisierung ist hier eine große Chance, die noch nicht von allen Unternehmen erkannt worden ist.

Die Kinderbetreuung muss stimmen und wir werden sie bedarfsgerecht weiterentwickeln. Dabei steht das Kind und sein Wohlergehen im Mittelpunkt, aber natürlich auch die Situation der Eltern. Hier brauchen wir neue Konzepte für Öffnungszeiten  und Randzeitbetreuung; flexible Lösungen vor Ort, die auch Angebote für Notfälle beinhalten. Wir wollen keine Eltern, die vor Sorge um die Kinder ins Schwitzen kommen, wenn ihr Zug Verspätung hat oder sie im Stau stehen. Das ist ein ungeheurer Stress.

Und wir möchten auch bei der Aufnahme von Kindern in Kindertagesbetreuung flexibler werden: Kinder sollen auch während des laufenden Kindergartenjahres verstärkt aufgenommen werden können.

Wir möchten dafür sorgen, dass es zu einer besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf kommt. Für viele Angehörige ist die Pflege von Familienmitgliedern eine große Herausforderung, besonders wenn sie parallel berufstätig sind. Deswegen wollen wir uns dafür einsetzen, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich um ihre Angehörigen kümmern, keine beruflichen Nachteile haben. Den Arbeitgeberinnen und Arbeitgebern kommt in dieser Zeit eine wichtige Rolle zu.

Wir haben viel vor! Lassen Sie uns darüber sprechen, was wir gemeinsam verbessern können: Ich freue mich auf neue Ideen, Meinungen und Anregungen – und auf zufriedene und entspannte Eltern in unserem Land.

Ihre
Christina Kampmann

Blog

Autor

Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

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