NRW is(s)t gut

Gespeichert von Andreé Kringe am 20. April 2016
20. April 2016

NRW is(s)t gut

Porträtfoto Johannes Remmel, Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz
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Liebe Leserin, lieber Leser,

Früher hatte Essen mit der Zubereitung von Lebensmitteln zu tun, heute, so hat es oftmals den Anschein, vor allem mit industriellen Prozessen. Auf der einen Seite ist die Land- und Ernährungswirtschaft in Nordrhein-Westfalen mit 400.000 Beschäftigten eine der wichtigsten Branchen. Auf der anderen Seite ist durch die immer globalere Arbeitsteilung in der Nahrungsmittelproduktion eine immer stärkere Entkopplung der heimischen Produktion von Grund und Boden entstanden.

Zum einen produzieren Agrar- und Ernährungswirtschaft hierzulande für den weltweiten Exportmarkt. Zum anderen werden mittlerweile in China angebaute Erdbeeren tiefgefroren über die Verteilstation Norwegen nach Deutschland gebracht, um hier als Dessert in den Handel zu kommen. Diese Warenströme führten in der Vergangenheit auch immer wieder zu einem starken Vertrauensverlust der Verbraucherinnen und Verbraucher gegenüber dieser globalisierten Nahrungsmittelproduktion. Zeitgleich ist eine steigende Nachfrage nach regionalen und ökologisch angebauten Produkten aus der Heimat zu beobachten. Diese, zum Teil widersprüchlichen Trends machen deutlich, wie dringend eine Debatte darüber ist, wie und was unsere Nahrungs- und Lebensmittel der Zukunft sein sollen.

Auf unserer diesjährigen Sommertour unter dem Motto „NRW is(st)…“ wollen wir einen Fokus auf genau diese Vielfalt werfen, aber auch die Fragen thematisieren, die die Menschen im Land bewegen: Welche Anforderungen an unsere Lebensmittel stellen wir? Was macht unser Essen aus? Wie viel Treibhausgas-Emissionen oder Ressourcenverbrauch bei der Lebensmittelproduktion sind wir bereit zu akzeptieren? Wollen wir wegen des Kostendrucks auf die bäuerliche Landwirtschaft verzichten und sinkende Umwelt- und Tierschutzstandards in Kauf nehmen? Und: Wie wertschätzen wir unsere Lebensmittel, zum Beispiel über faire Handelsbeziehungen beim Preis?

Das Motto „NRW is(s)t ….“ ist deshalb so gewählt worden, weil es diese komplexen Zukunftsfragen verdeutlichen soll: Wir als Verbraucherinnen und Verbraucher wollen nicht nur, dass das Essen gut schmeckt. Wir wollen auch, dass Nahrungsmittel schadstofffrei und nachhaltig hergestellt werden – aus der Region für die Region. Wir wollen wissen, woher die Nahrungs- und Lebensmittel stammen, unter welchen Bedingungen sie hergestellt werden und ob sie fair gehandelt worden sind.

Die Landesregierung hat hier in den letzten Jahren wichtige Weichen gestellt, für eine nachhaltige Ernährung, für eine ökologische und umweltfreundliche Landwirtschaft und für eine stärkere Position der Verbraucherinnen und Verbraucher. So haben wir den massiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast aufgedeckt und die anschließende, bundesweite Debatte genutzt, um eine deutliche Reduzierung des Medikamenteneinsatzes in der Tierhaltung zu erreichen. Wir sind gegen tierschutzwidrige Praktiken in der Legehennenhaltung vorgegangen, wie etwa dem millionenfachen Töten männlicher Eintagsküken, die aus wirtschaftlichen Gründen vergast und geschreddert werden.

Die Forschung wurde intensiviert und Dialogprozesse gefördert, damit sich der enorme Berg von weggeworfenen Lebensmitteln reduziert und wir haben die Debatte um eine Kehrtwende in der bisherigen Nutztierhaltung angestoßen und erarbeiten derzeit mit der Landwirtschaft eine Strategie zur  „Nachhaltigen Nutztierhaltung“, die auch die ökonomisch äußerst schwierige Situation der Landwirtschaft nicht aus dem Auge verliert. Darüber hinaus fördern wir die Vermarktung regionaler Produkte und wollen, dass sich der Einsatz von regionalen Produkten, etwa auch in Kantinen, weiter verbreitet. Wir haben Anreize geschaffen, um auf eine bäuerliche Landwirtschaft nach ökologischen Gesichtspunkten umzusteigen.

Die derzeitigen Schwierigkeiten unserer heimischen Landwirtschaft sind auch das Resultat einer verfehlten Strategie, die vor allem in der Produktionssteigerung und in der Exportorientierung den Schlüssel zum Erfolg ansah. Dies ist angesichts ruinöser Preisentwicklungen auf den Agrarmärkten nachweislich gescheitert und bringt eine ganze Branche nun, da die Weltmärkte schwächeln, in Bedrängnis – mit den ganzen Auswirkungen auch für die Verbraucherinnen und Verbraucher. 

Herzlichst

Ihr
Johannes Remmel

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Minister für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz

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