"Vater ist, was du draus machst!"

Gespeichert von Andreé Kringe am 28. Juni 2016
28. Juni 2016

"Vater ist, was du draus machst!"

5 Bewertungen
 

Liebe Leserinnen,
liebe Leser,

knapp die Hälfte der Paare mit Kindern unter 18 Jahren wünscht sich heute, dass beide Partner gleichermaßen erwerbstätig sind und sich um Haushalt und Familie kümmern. Das hat die Elternbefragung im Rahmen des Familienberichts NRW gezeigt. Die Realität ist jedoch eine andere: die meisten Familien in NRW leben immer noch die traditionelle Arbeitsteilung. Bei zwei Dritteln der Paare ist also der Vater vollzeiterwerbstätig, die Mutter ist entweder teilzeitbeschäftigt oder gar nicht erwerbstätig.

Dabei hat sich die Einstellung der Väter zu Familie und Kindern schon stark verändert: Etwa 60 Prozent der Vätermit Kindern unter sechs Jahren würden gerne mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Bei der Elternbefragung im Rahmen unseresFamilienberichtes gaben 42 Prozent der befragten vollzeiterwerbstätigen Väter an, immer oder häufig das Gefühl zu haben, nicht ausreichend Zeit für die Familie zu haben. Das trifft übrigens in noch stärkerem Maße auf die Mütter zu.  Diese Widersprüche müssen wir dringend auflösen. Sie setzen Eltern und Familien unter erheblichen Druck, führen zu Überforderung und Erschöpfung.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist eine Frage unserer gesellschaftlichen Zukunft. Wir müssen deshalb mehr dafür tun, Frauen und Männern zu ermöglichen, das von ihnen gewählte Familienmodell ohne Nachteile zu leben. Das ist nur möglich, wenn wir dabei auch Väter stärker unterstützen.  Daher habe ich die Väterkampagne „Vater ist, was Du draus machst!“ gestartet.

Ab dem 28. Juni werden in fünf Städten in NRW - in  Köln, Düsseldorf, Essen, Bielefeld und Münster - Plakate mit den Motiven unserer Väterkampagne hängen und in weiteren 13 Städten kostenfreie Edgar-Cards inGaststätten und Restaurants ausgelegt. Die Motive der Väterkampagne stehen außerdem als Plakate und Postkarten den Trägern von Beratungs- und Bildungseinrichtungen, Kitas und Familienzentren, Vereinen und Initiativen, Unternehmen und Gewerkschaften zur Verfügung. 

Mit dem Start der Väterkampagne haben wir auch das Väterportal www.vaeter.nrw neu gestaltet: Neben wöchentlich aktuellen Artikeln bietet es künftig einen erweiterten Servicebereich. Außerdem starten wir eine Social-Media-Kampagne, die ebenfalls für das Thema sensibilisieren soll und führen im Herbst einen Fachkongress durch, bei dem wir uns mit den Aspekten der aktiven Vaterschaft beschäftigen werden. 

Mit dem Projekt "Väternetzwerk NRW" erproben wir zurzeit in fünf Unternehmen - Vodafone, Ergo, E.ON, Sparkasse Köln/Bonn, Ista GmbH flexible und familienorientierte Arbeitszeitmodelle. Wir gehen dabei der Frage nach, wie vätergerechte Angebote in die Praxis umgesetzt werden können. Die Ergebnisse werden wir Ende des Jahres der Öffentlichkeit vorstellen. 

Das Ziel unserer auf zwei Jahre angelegten Väterkampagne ist es, die Attraktivität der Vaterrolle bewusster zu machen. Gleichzeitig möchten wir die Öffentlichkeit für die mit dem Rollenwandel einhergehenden Anforderungen sensibilisieren. Auch die Bedeutung der aktiven Vaterschaft für die kindliche Entwicklung soll so deutlich gemacht werden. Denn Männern wird heute immer noch nicht zugetraut, dass sie sich liebevoll und verlässlich um Kinder und Haushalt kümmern können. In unserer Gesellschaft sind offenbar immer noch viele der Meinung, Frauen seien qua Geschlecht besser für die Betreuung und Erziehung von Kindern geeignet. Dabei hat sich das Rollenverständnis in den vergangenen Jahrzehnten schon sehr stark verändert.

Allerdings nutzen Väter häufig aus Angst vor beruflichen Nachteilen, vor einem Karriereknick, die betrieblichenAngebote zur Vereinbarkeit nicht. Diese setzen immer noch meist auf flexible Teilzeitmodelle. Stattdessen wünschen sich Väter eher vollzeitnahe Teilzeitmodelle oder/und die Möglichkeit, flexibel und auch von zu Hause zu arbeiten.  

Um Väter besser unterstützen zu können, muss deutlicher werden, welche Erwartungen sie an eine verbesserte Vereinbarkeit von Familie und Beruf haben. Sie ähneln zwar häufig den Vorstellungen von Müttern, sind aber bei weitem nicht deckungsgleich. 

Anfang des Jahres habe ich in einem Familiengipfel mit der Wirtschaft und gesellschaftlichen Verbänden eine Erklärung verabschiedet. Gegenstand dieser Vereinbarung war, dass sich Unternehmen weiter flexiblen und familienorientierten Arbeitszeitmodellen öffnen sollen. Die Belange von Vätern sollen dabei besonders berücksichtigt werden.Anrede, - Eltern brauchen unsere Unterstützung bei den vielfältigen Anforderungen, denen sie heute bei der Vereinbarkeit von Familie und Berufsleben ausgesetzt sind.

Die Einführung des Elterngeldes war ein wichtiger Schritt, um die aktive Beteiligung von Vätern an der Betreuung und Erziehung ihrer Kinder zu ermöglichen. Die Inanspruchnahme von Elterngeld durch Väter ist seitdem deutlich gestiegen, allerdings haben die meisten Väter nur zwei Monate Elterngeld bezogen. Mit der Einführung des ElterngeldPlus zeichnet sich aber – auch in NRW – ein neuer Trend ab. NRW liegt mit einem Anteil von 15,4 Prozent erstmals über dem Bundesdurchschnitt.

Um diese Entwicklung weiter zu unterstützen, haben wir gerade ein zusätzliches Beratungsangebot geschaffen. Über den Bürgerservice der Landesregierung können sich werdende Eltern schnell und unbürokratisch zu Fragen der Elternzeitgestaltung informieren – telefonisch oder per Mail. Wichtige Unterstützung für Männer bieten darüber hinaus die zahlreichen lokalen Einrichtungen wie etwa Familienbildungsstätten, Familienberatungsstellen und Kitas. 

In den letzten zwölf Jahren haben sich deren väterbezogenen Angebote mehr als vervierfacht: Aktuell machen rund 700 Einrichtungen Angebote für Väter. Die Einrichtungen sehen sogar noch weiteren Bedarf. Vor allem bei der Fortbildung der Fachkräfte.- Die von meinem Hause geförderte Fachstelle Väterarbeit NRW bietet daher in den kommenden Monaten in den fünf Regierungsbezirken Workshops und Fortbildungsveranstaltungen an.

Wir müssen dafür werben, dass Väter, die sich die Familienarbeit mit ihrer Partnerin teilen wollen – oder gar phasenweise ganz übernehmen wollen – zu einer Selbstverständlichkeit werden. Anders wird es Eltern – mit Blick auf die berechtigten Erwerbswünsche von Frauen – dauerhaft nicht möglich sein, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. 

Mit der Väterkampagne will ich diesen Bewusstseinswandel vorantreiben und begleiten. Am Ende werden alle davon profitieren. Eltern und Kinder. Und die Unternehmen, weil sie nur so motivierte Mitarbeiter für sich interessieren und langfristig an sich binden können.

Herzlichst

Ihre
Christina Kampmann

Blog

Autor

Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport

Verwandte

Meldungen

Verwandte

Themen

Suche

IM BLOG