In Oberhausen entsteht eine Kette des Vertrauens

Das Foto zeigt, wie Necmiye Immig als Lesepatin eine Geschichte auf Türkisch vorliest. Eine zweite Mutter liest die Geschichte auf Deutsch vor.
29. Juni 2015

Bildung und Erziehung gemeinsam gestalten

Eine enge Kooperation zwischen Bildungseinrichtungen und Eltern sorgt in Oberhausen dafür, dass Kinder eine bestmögliche Lernumgebung vorfinden

So funktioniert Vorbeugung in Oberhausen: Dort haben sich 51 Einrichtungen zu Bildungs- und Erziehungspartnerschaften zusammengeschlossen. Das Ziel: Eltern aus Grundschulen, Kindertageseinrichtungen und weiterführenden Schulen besser in den Bildungsalltag integrieren und ein Vertrauensverhältnis zwischen Institutionen und Elternhaus schaffen. Davon sollen alle Kinder profitieren.

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Eng in den Bildungsalltag eingebunden: Lesepatin Necemiye Immig bringt den Kindern eine Geschichte näher.

Necmiye Immig ist zweifache Mutter. Ihre beiden Kinder gehen in die Landwehrschule und die anliegende Kita „Rechenacker“ in Alt-Oberhausen. Die 43-Jährige arbeitet dort seit 2011 als zertifizierte Lesepatin. Mindestens zwei Mal pro Monat bringt sie diese Qualifikation in den Alltag ein und liest Kita-Kindern und Schülerinnen und Schülern Geschichten auf Türkisch vor. Eine zweite Mutter liest die gleiche Geschichte auf Deutsch vor. „Es ist für die Kinder sehr hilfreich, wenn sie früh mit unterschiedlichen Sprachen in Berührung kommen“, so Immig. Sie selbst ist in der Türkei geboren und als Kind in Deutschland mit Türkisch und Deutsch groß geworden. Das war nicht immer einfach. Zunächst hat sich Immig in der Kita „Rechenacker“ engagiert. Kurze Zeit später hat sie sich auch in der Landwehrschule eingebracht. Wie kommt Ihre Arbeit an? „Sehr gut“, sagt sie. „Besonders gefreut habe ich mich, als mir ein Junge auf dem Schulhof entgegen kam und mir auf Türkisch einen guten Morgen gewünscht hat.“ Das sei bei ihm hängen geblieben und zeige, wie einfach und effektiv man Sprache vermitteln könne. Neben Türkisch wird auch unter anderem auf Arabisch, Spanisch und Italienisch vorgelesen. Bei den zweisprachigen Lesestunden funktioniert die Einbindung der Eltern an der Landwehrschule besonders gut.

Schulsozialarbeiterin Linda Knauber ist seit 2012 an der Landwehrschule tätig. Ihr Schwerpunkt ist die Beziehungs- und Vernetzungsarbeit zwischen der Grundschule und den Eltern. „Wenn alle an einem Strang ziehen, können wir gemeinsam mehr für die Kinder erreichen“, erklärt Knauber. Um Bildungsbrüche zu verhindern, werden Eltern, wie Necmiye Immig, an 51 Einrichtungen – Kindertageseinrichtungen, Grundschulen und weiterführende Schulen – in Oberhausen als sogenannte Bildungspaten in die Arbeit der Fachkräfte eingebunden.

Das Motto der Landwehrschule lautet „Wir gestalten Schule gemeinsam“. Lehrer und Eltern haben sich auf den Weg gemacht, um die knapp 200 Kinder zu unterstützen. Das Ergebnis ist aber nicht nur ein besseres Vertrauensverhältnis: Die Jungen und Mädchen können nun auch gezielter gefördert werden. Schulsozialarbeiterin Knauber: „Wenn ich erkenne, dass ein Kind Unterstützung benötigt, dann lade ich die Eltern und Lehrer zum Gespräch ein. Gemeinsam erarbeiten wir eine passgenaue Unterstützung.“

Die Oberhausener Kinder sollen von der Einbindung der Eltern profitieren.

An der Landwehrschule kommen die Lehrkräfte und Schulsozialarbeiterin Knauber mittlerweile sehr unkompliziert mit den Eltern ins Gespräch. Das ist vor allem deshalb der Fall, weil viele Eltern aktiv  in den Schulalltag eingebunden sind. Über diese Entwicklung freut sich auch Schulleiterin Sibylle Hufschmidt: „Wir können in Gesprächen über die Kinder jetzt Dinge ansprechen, die wir vorher nicht so einfach sagen konnten. Es besteht ein richtiges Vertrauensverhältnis.“ Um diese Gemeinschaft dauerhaft zu stärken, wolle man den Eltern auf Augenhöhe begegnen. „Sie sollen nicht als Helfer wahrgenommen werden, sondern durch die Einbindung in den Unterricht als Teil einer Bildungsgemeinschaft verstanden werden.“ Es sei wichtig, so Hufschmidt, den Eltern zu vermitteln, wie in der Schule gearbeitet werde, damit sie überhaupt erst einmal Vertrauen fassen können. In vielen Bereichen laufe die Zusammenarbeit sehr gut.

„Die Mütter und Väter können viel mehr als nur Schulobst schneiden oder die Bibliothek betreuen“, so Angelika Schulte-Ortbeck. Die Leiterin des Regionalen Bildungsbüros in Oberhausen sieht die Einbindung von Eltern als zusätzliche Ressource für das Schulleben. „Hier geht es nicht um gegenseitige Konkurrenz, sondern um eine Partnerschaft.“ Das sei ein gesunder Demokratisierungsprozess für die Schulen. Wo es früher nur um die Arbeit mit dem Kind gegangen sei, habe vor allem durch die Einführung der Offenen Ganztagsschule ein Umdenken eingesetzt. „Eltern haben Kompetenzen“, erklärt Schulte-Ortbeck. „Und genau diese wollen wir für den Unterricht nutzen.“ Die Sinus-Studie habe deutlich gemacht, dass man zu Hause doppelt so viel lerne, als in der Schule. „Deswegen brauchen wir Eltern als Partner.“

Im September 2014 fand in Oberhausen der erste Fachtag zu den Bildungs- und Erziehungspartnerschaft statt, bei dem weitere 38 Einrichtungen feierlich in das Netzwerk der Regionalen Bildungslandschaft aufgenommen worden sind. Hierzu wurden auch Qualitätsleitlinien für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit mit Eltern erarbeitet. Dieser Prozess einer Bildungs- und Erziehungspartnerschaft entlang der Bildungskette begann 2011 mit 13 Einrichtungen und entsprechenden Kooperationspartnern vor Ort. Der gesamtstädtische Prozess wird laut Stadt in den nächsten Jahren zielorientiert und systematisch weiter entwickelt. Eine Evaluation soll im Jahr 2015 durchgeführt werden.

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